2017 09 27 Palliative Care forum 60 plus 01Von Lisbeth Kuhnt

Reportage: Palliative Care – ein sensibles Thema vom 27.09.2017

(Vortrag im Sanavita)
Wer sich trotz dem einladend schönen Herbstwetter für den Besuch des Vortrages von Frau Claire Huwyler, Leiterin der kantonalen Einsatzzentrale des Palliative Care-Begleitdienstes der Aarg. Landeskirchen, entschieden hatte, wurde mit einem hochinteressanten Nachmittag belohnt.

Nach der Begrüssung und kurzen Vorstellung der Referentin stieg diese gleich in das Thema ein und erklärte uns zuerst den Begriff Palliative Care. «Palliare» heisst «den Mantel um jemanden legen». Dieser schöne Ausdruck kam im Vortrag immer wieder vor und umschreibt treffend, was mit dem Angebot gemeint ist. «Ich war krank, und ihr habt euch meiner angenommen» lesen wir in der Bibel. Aus dieser biblischen Überzeugung entwickelte sich schon früh eine christliche Krankenpflege, die vor allem in den Klöstern des Mittelalters praktiziert wurde. Man kümmerte sich sowohl um das leibliche wie auch um das seelische Heil der Kranken.

Nach der Zeit der Aufklärung kam die Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen Medizin und Theologie, bzw. Arzt und Pfarrer. Die Medizin entwickelte sich immer mehr und schwierige Operationen wurden möglich. Gleichzeitig wurden aber Menschen, die nicht mehr kurativ behandelt werden können, für Aerzte weniger interessant. Wichtig ist aber eine ganzheitliche Betreuung der Patienten, d.h. Kontrolle von Schmerzen sowie psychische, soziale und spirituelle Probleme gehören zusammen. Hier beginnt die Palliative Care. Ein Gedicht des bekannten Schriftstellers Kurt Marti zeigt was damit gemeint ist und machte uns nachdenklich:
«Wer tröstet den Krebspatienten in Zimmer No. 11?
Der Doktor, der denkt, die Schwester vielleicht.
Die Schwester, die denkt, die Familie vielleicht.
Die Familie, die denkt, der Pfarrer vielleicht
und der Pfarrer, der denkt, hoffentlich Gott.»

Das Team der Betreuer und Betreuerinnenes sind rund 160 bestens ausgebildete Mitarbeiter im Kanton Aargau – kümmert sich mit grossem Wissen und uneigennützigem Einsatz um die Menschen, die den Dienst anfragen und zulassen. Sie versuchen, einen Mantel um die Patienten zu legen, die bald von uns gehen werden. Frau Huwyler betonte, dass es aber nicht um Sterbehilfe gehe, sondern viel mehr um Lebenshilfe in schwierigen Situationen, um die Phase vor dem Sterben. Miteinander reden, beten, singen, vielleicht Kontakte vermitteln, kann für die kranken Menschen sehr wichtig sein.

Es ist eine englische Krankenschwester, Cicely Saunders (1918 – 2005) die als Gründerin des ersten modernen Sterbehospizes gilt, das St.Christopher’s Hospice. Für sie gehörten Medizin, Pflege, Seelsorge und psychologische Beratung zusammen ohne eine Wertung zwischen den verschiedenen Berufsgruppen. In ihrem Hospiz waren alle, Pflegende wie Patienten, Teil der Gemeinschaft. In vielen Ländern wurden ihre Gedanken aufgenommen und entsprechend die Palliative Care gefördert. Auch in der Schweiz. Im Kanton Aargau liegt die Trägerschaft bei den Aargauer Landeskirchen. Sie fördern die Aus- und Weiterbildung der Freiwilligen, unterstützen die Geschäftsstelle für die Koordination der Einsätze und fördern durch Fachtagungen und Vorträge die Palliative Care.

Frau Huwyler machte uns auf die Möglichkeit der Ausbildung für den Begleitdienst und auch auf die Vermittlung von Einsätzen, zuhause oder in Spitälern und Heimen, aufmerksam. Mit ihrem eindrücklichen Vortrag gab sie uns Einblick in den Dienst an schwerkranken und sterbenden Menschen. Einen Mantel zu legen um diese Menschen ist ein anspruchsvoller und sicher nicht immer einfacher Dienst, aber wir alle spürten, dass diese Einsätze einfühlsam und kompetent geleistet werden. Dafür und für die interessanten Ausführungen bedankten sich die rund 30 Zuhörer und Zuhörerinnen bei der Referentin mit herzlichem Applaus.

Lisbeth Kuhnt